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Diese Seiten sind keine Werbung für ein bestimmtes “Gemeindemodell”. Für uns ist Zellgemeinde weniger Bauplan als vielmehr Herausforderung zu gelebten biblischen Werten. Diese Werte sind christliches Allgemeingut, ganz unabhängig von der Struktur einer Gemeinde oder Kirche.

Nun haben wir allerdings den Eindruck, dass der Ansatz einer Zellgemeinde besonders dazu geeignet ist, uns bei der praktischen Umsetzung dieser Werte zu unterstützen. Hier erscheinen uns nicht alle “Gemeindemodelle” einfach gleich gut. Im Gegenteil: Eine an westlichen Unterhaltungsstrukturen orientierte “Angebotskirche” etwa zahlt nach unserem Empfinden für ihre Attraktivität einen zu hohen Preis.

Darum wollen wir mit diesen Seiten zu einer ernsthaften Standortbestimmung einladen. Wir wollen weder ein fertiges “Modell zum Mitmachen” präsentieren, noch der Magie grosser (Wachstums-) Zahlen huldigen. Statt dessen möchten wir im Schatten der immer wieder vielversprechenden kommerziellen Gemeindeprogramme zum eigenen Beten, Nachdenken und Suchen ermutigen und anregen.

“Zellgemeinde” - Was ist das?

Was verbirgt sich hinter einer “Zellgemeinde”? Ein zufälliger Gottesdienstbesucher würde vermutlich zunächst kaum einen Unterschied zu anderen Gemeindeformen erkennen können. Auffällig wären allenfalls die etwas spärlichen Hinweise auf weitere gemeindliche Wochenveranstaltungen. Bei näherer Nachfrage würde der Gast dann wahrscheinlich erfahren, dass das Gemeindeleben in einer Zellgemeinde neben den gemeinsamen Gottesdiensten vor allem in den einzelnen “Zellgruppen” stattfindet. Aber warum das alles?

1. Zellgemeinde - eine Einstellung

In einer Zellgemeinde ist der Verzicht auf viele traditionelle Aspekte des Gemeindelebens Ausdruck einer veränderten Sichtweise des mit Jesus Christus greifbar gewordenen Reiches Gottes. Wir verzichten auf jeden Versuch, die Wirklichkeit dieses Herrschaftsbereiches anhand äusserer Aspekte des Gemeindelebens vergegenwärtigen zu wollen. Wir sind dagegen davon überzeugt, dass sich uns die entscheidenden Dimensionen des Reiches Gottes in verbindlicher christlicher Gemeinschaft eröffnen.

Praktisch führt dieser Ansatz bereits in Bezug auf unsere Gebäuden zu einer Neubesinnung: Da sich die einzelnen Zellgruppen in normalen Wohnungen treffen, spielt ein grösseres “Gemeindezentrum” nur eine untergeordnete Rolle. Es reicht grundsätzlich ein einfacher Zweckbau - die Kreativität des christlichen Lebens kommt hauptsächlich im Alltags-Gottesdienst (Römer 12,1-2) zum Tragen. Dementsprechend kommt auch den gemeinsamen Gottesdiensten keine evangelistische Schlüsselstellung zu. Zwar soll es für Aussenstehende möglichst verständlich zugehen (vgl. 1.Korinther 14,23-25). Besucher sollen aber gerade nicht durch eine professionell “gestylte” Veranstaltung besonders beeindruckt werden. Ganz ähnlich verfahren wir mit vielen der uns bisher vertrauten Gemeindeaktivitäten: Neben den Zellgruppen wollen wir nur die allernötigsten innergemeindlichen Arbeiten beibehalten. In den Zellgruppen soll sich dafür aber das Christusleben deutlich auswirken.

Möglicherweise wirkt eine derart “schlanke” Gemeinde auf viele Christen zunächst etwas eigenartig. Wahrscheinlich mögen uns darum manche Gemeinden wegen unseres mageren “Gemeindelebens” und unserer mitunter wenig attraktiven äusseren Erscheinung (vielleicht kein beeindruckendes Gemeindezentrum, kein eigener Kindergarten und kein guter Chor) bedauern oder umwerben. Wir fühlen uns aber dadurch bestärkt, dass Christen in neutestamentlicher Zeit - soweit wir erkennen können - auch irgendwie ohne viele der uns mittlerweile so gewohnten Gemeindeaktivitäten überleben konnten. Dabei geht es uns nicht darum, einfach “neutestamentliches Gemeindeleben” zu kopieren. Dennoch wollen wir uns durch die spärlichen Skizzen neutestamentlicher Gemeinden immer wieder inspirieren lassen. In diesem Sinne ist es dann aber schon interessant, dass zum Beispiel die Apostelgeschichte sich nicht scheute, das Leben früher Christen in den Kategorien “Tempeltreffen” und “Haustreffen” zu beschreiben (Kapitel 2,46).

Selbstverständlich hat ein solcher Ansatz auch gravierende Folgen für die konkrete Umsetzung unseres evangelistischen Grundauftrages: Waren wir es bisher gewohnt, Menschen vor allem mittelbar, also durch die Aktivitäten und Veranstaltungen unserer Gemeinde zu erreichen, so müssen wir es nun ganz neu lernen, Menschen unmittelbar, also in direktem Kontakt mit der frohen Nachricht von Gottes guter Herrschaft bekannt zu machen.

Damit wandelt sich auch unsere Einstellung zur “Mitarbeit”: Haben wir dabei früher hauptsächlich an die Arbeit innerhalb unserer Gemeindeaktivitäten gedacht, geht es nun sehr viel stärker um unseren ”priesterlichen” Auftrag (1.Petrus 2,9), also um unsere geistliche Arbeit in den Organisationen und Strukturen unseres nichtchristlichen Umfeldes. “Zellgemeinde” bedeutet darum einen grundsätzlichen Abschied von vielen innergemeindlichen Binnenstrukturen.

2. Zellgemeinde - eine Struktur

In einer Zellgemeinde gibt es zwei strukturelle Brennpunkte des Gemeindelebens: der gemeinsame Gottesdienst und die einzelnen Zellgruppen. Während in den gemeinsamen Gottesdiensten der Schwerpunkt auf Anbetung und Lehre liegt, geht es vom Anspruch her in jeder Zellgruppe um geistliche Gemeinschaft und christlich-motivierte Arbeit in dem Netzwerk einer Ortsgemeinde.

Die Zellgemeinde schafft also die organisatorische Möglichkeit dafür, dass jeder wirklich Interessierte in einer Zellgruppe (ca. 5-12 Erwachsene, Kinder gehören selbstverständlich ausserdem dazu) geistliche Gemeinschaft erleben kann. Hier kommt es darauf an, dass sich jede Zellgruppe wirklich um Jesus Christus herum zusammenfindet. Zellgruppen sind keine Kuschelclubs für Gleichgesinnte, in diesem Sinne gerade keine homogenen Einheiten, sondern jeweils eine Konkretion von “Gemeinde”.

Darum können Zellgruppen auch nicht mit gemeindliche Arbeitsgruppen gleichgesetzt werden. In solchen Arbeitsgruppen geht es nämlich schon strukturell betrachtet vor allem um das gemeinsame Erreichen eines bestimmten Arbeitszieles. Bei der Bibelgruppe geht es vor allem um Bibelstudium, bei der Gebetsgruppe vor allem um Gebet und bei der Band vor allem um Musik. Von diesem gemeinsamen Ziel her wird also Gemeinschaft ganz wesentlich definiert. Eine Zellgruppe hat aber zunächst einmal kein gemeinsames Ziel sondern eine gemeinsame Mitte.

Allerdings geht es auch in einer Zellgruppe um Arbeit. Die Gesundheit einer jeden Zellgruppe hängt in der Tat ganz massgeblich von einer ausgewogenen Balance zwischen aufrichtiger Gemeinschaft und der Arbeit am christlichen Grundauftrag ab. In den Zellgruppen wollen wir darum gemeinsam einen evangelistischen “Lebensstil” erproben. So sollen Outsider in unserem Umfeld die durchgreifende Kraft des Heiligen Geistes erfahren können. Weil solche Arbeit nur als Ausdruck tiefen geistlichen Lebens möglich ist, bleibt die geistliche Gemeinschaft - mit Gott, und dadurch auch miteinander - der Dreh- und Angelpunkt einer jeden Zellgruppe. Alle elementaren Aspekte eines Zellgruppentreffens, etwa das gemeinsame Beten und das Gespräch über der aufgeschlagenen Bibel, sollen dieser Gemeinschaft dienen.

Jede einzelne Zellgruppe ist von ihrem Ansatz her als eine sichtbare Ausprägung der christlichen Gemeinde konzipiert. In diesem Sinne ist eine Zellgruppe ”Gemeinde”. Allerdings ist keine einzelne Zellgruppe für sich allein genommen ”Gemeinde”. Der Ansatz von Zellgemeinden zielt also nicht auf eine “Hauskirchenstruktur”. In einer Zellgemeinde bleiben die einzelnen Zellgruppen auf Ergänzung und Korrektur durch konkrete andere Christen angewiesen. Darum kommt dem Netzwerk einer Ortsgemeinde eine hohe Bedeutung zu. Die gemeinsamen Gottesdienste der gesamten Gemeinde sind hier eine wichtige Stütze. In der Regel werden auch die thematischen Schwerpunkte gesamtgemeindlich gesetzt, bei vielen Zellgemeinden in Anlehnung an das Thema des vorangegangenen Gottesdienstes.

In diesem Zusammenhang soll auch die Funktion der Zellgruppen-Leiter besonders erwähnt werden: Sie stehen an wichtiger Stelle für die Identität einer Zellgruppe und damit auch einer Ortsgemeinde ein. Allerdings dürfen sie diese nicht durch Druck- oder Machtmittel durchzusetzen versuchen. In diesem Sinne wären sie also keine “Leiter”. Vielmehr haben sie vor allem die Funktion von Ermöglichern: Die Leiter ermöglichen das Wachstum von geistlicher Gemeinschaft und geistlicher Arbeit im Rahmen einer Ortsgemeinde. Auch die einzelnen Leiter-Teams (jede Zellgruppe hat immer zwei Leiter) treffen sich darum regelmäßig, bei grösseren Gemeinden wieder in überschaubaren Gruppen zusammengefaßt.

3. Zellgemeinde - eine Bewegung

Weltweit sind unabhängig voneinander Zellgemeinden unterschiedlichster Ausprägung entstanden. Das Konzept einer Zellgemeinde ist weder neu, noch besonders originell. Über die Verbreitung eines solchen Gemeinde-Verständnisses etwa in der chinesischen Christenheit unserer Tage oder auch unter katholischen Christen Lateinamerikas können wir daher nur Mutmaßungen anstellen. Deutlich ist jedenfalls, dass es sich bei dem Phänomen “Zellgemeinde” nicht um eine neue nordamerikanische “Kopiervorlage” handelt. Wir sehen uns daher als Teil einer weltweiten ökumenisch-veranlagten Bewegung, die weder organisatorisch noch praktisch-theologisch auf einen Nenner gebracht werden kann.

Damit hängt auch zusammen, dass manche Zellgemeinden zwar auf der Ebene ihrer leitenden Mitarbeiter enger zusammenarbeiten, dass es aber dennoch keine offizielle Organisation für Zellgemeinden gibt. Dies ist volle Absicht und kein Versäumnis. Die Zellgemeindebewegung ist eine Ortsgemeindebewegung! Weitergehende Zusammenarbeit zwischen einzelnen Zellgemeinden findet auf einer rein informellen oder freundschaftlichen Ebene statt. Wir streben keine Vereinheitlichung unserer Gemeinden an, weder in Fragen des theologischen Profils noch in Fragen äußerer Gestaltung, etwa wenn es um Form und Charakter unserer jeweiligen Gottesdienste oder Zellgruppen-Treffen geht. Auch das Leitungsverständnis und die praktischen Gemeindestrukturen differieren zum Teil erheblich, bestehende Denominationen werden ebenso nicht angegriffen oder unterlaufen. Wir schätzen es besonders, dass eine Gemeinde zur “Zellgemeinde” werden kann, ohne dabei unbedingt bestimmte Formen und Methoden des Gemeindelebens aus den Erfahrungshorizonten anderer Christen und Christinnen übernehmen zu müssen.

4. Zellgemeinde - eine Vision

Wie sieht die “Vision” einer Zellgemeinde aus? Ich denke, es geht vor allem um eine Gemeinde, in der sich das Wirken des Heiligen Geistes auf möglichst breiter Basis auswirken kann. Eine Gemeinde, in der die “normalen” Mitglieder die ganze Arbeit tun: Alle Facetten des evangelistisch-diakonischen Grundauftrages der Gemeinde liegen in ihrer Verantwortung. Darum befassen sich die Mitglieder dieser Gemeinde möglichst wenig mit innergemeindlichen Aufgaben, leben möglichst wenig in “frommen” Kreisen. Statt dessen halten sie sich so oft wie möglich in den unchristlichen Strukturen ihres Umfeldes auf.

Mag sein, dass dabei so manches gemeindliche Unterhaltungsprogramm auf der Strecke bleibt, dass so manches christliche Konzert ohne christliche Besucher und so manches christliche Buch ohne christliche Käufer bleibt. Aber ganz sicherlich wird die Gemeinschaft der Christen dabei nicht zu kurz kommen. Im Gegenteil werden Christen entdecken, dass ihre vielen innergemeindlichen Treffen oft nicht den Tiefgang hatten, den sie nun in einer Zellgruppe erfahren können.

Auf eine großartige Präsentation nach außen müßte eine solche Gemeinde dann allerdings wohl verzichten. Schließlich könnte man das, worauf es hier ankommt, gerade nicht eindeutig beschreiben oder durch Hochglanzbilder illustrieren. Man könnte nur immer wieder auf den Grund der lebendigen Hoffnung hinweisen, die sich vor allem in Gemeinschaft sichtbar auswirken würde.

Warum Gemeinden diesen Weg gehen? Es ist interessant, aber bei den Kontakten, die mir bekannt sind, begann es immer mit dem Empfinden, dass Gott selber in diese Richtung “gedrängt” hat. Die Arten und Wege seines Drängens wurden dabei durchaus sehr unterschiedlich erlebt. Ein “Gemeindemodell zum Nachmachen” ist Zellgemeinde aber wohl nicht.